Steinbach am Wald. Mit einem Fünf-Jahres-Investitionsplan will sich der Steinbacher Behälterglashersteller Wiegand-Glas fit für die Zukunft machen.

Auf dem Firmengelände fallen einem die vielen Baustellen auf. Bagger rollen hin und her, Presslufthammer sind zu hören, es wird gehämmert und geschraubt. Es ist noch nicht lange her, als der Steinbacher Behälterglashersteller für sein Pilotprojekt „Filterstaubhaus“ zur energieeffizienten und innovativen Aufbereitung von Abfallprodukten in der Glasherstellung vom Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, Florian Pronold, einen Förderbescheid in Höhe von 1,3 Millionen entgegennehmen konnte (wir berichteten). Der Politiker begründete dies damit, dass mit dieser Investition ein wichtiger Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz geleistet wird.

Umwelt, Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Innovation – das sind Ziele, welche die Unternehmensführung schon seit Jahren verfolgt. 

„Wir müssen uns weiterentwickeln und auch bestimmte Risiken eingehen, denn sonst verpassen wir  die Chancen die sich daraus ergeben.“, so der Geschäftsführer Oliver Wiegand, der zusammen mit seinem Cousin Nikolaus Wiegand, das Familienunternehmen in vierter Generation führt.

Und er beginnt zu erzählen vom „Fünf-Jahres-Plan“ und von “Schlüsselprojekten“, die bis zum Jahre 2022 umgesetzt sein sollen. Dieser beinhaltet ein millionenschweres Investitionsprogramm. Neben dem eingangs erwähnten Filterstaubhaus befindet sich im Steinbacher Werk ein neues Gemengehaus zur Lagerung und Aufbereitung von Rohstoffen in Bau. Weiterhin werden permanent bei der erst vor wenigen Jahren in Betrieb genommenen Altglasaufbereitungsanlage Optimierungen vorgenommen, mit dem Ziel die Scherbenqualität noch weiter zu verbessern und den Anfall von Abfall zu reduzieren. Schon derzeit gilt Wiegand-Glas als Weltmeister bezüglich des Scherbeneinsatzes bei der Behälterglasproduktion. Der Altglasanteil beträgt bis zu 97 Prozent. Die in diesem Jahr neu in Betrieb genommene Abgasreinigung setzt neue Maßstäbe bei den Emissionen. Weiterhin ist man auch dabei, ein Notstromkonzept zu entwickeln, um der durch den verhinderten Leitungsbau schlechter werdenden Versorgung Rechnung zu tragen.

Ein neues Glaswerk mit zwei Schmelzwannen wird am Standort in Schleusingen entstehen. Beginn der Baumaßnahmen soll Ende September 2018 sein. Die Inbetriebnahme ist für das letzte Quartal 2019 geplant. Die Investition sei notwendig, um eine moderne effiziente Glasfertigung sicherzustellen, so Oliver Wiegand.

Auch im benachbarten Glaswerk Ernstthal wird investiert. Hier spricht Oliver Wiegand von einer Kapazitätserweiterung an der Schmelzwanne 3, von einer neuen Verpackungs- und Lagerhalle sowie von neuen Sozialräumen und Büros.

Am Standort Großbreitenbach werden derzeit zwei neue Lagerhallen, eine Kfz-Werkstatt und ein neues Logistikgebäude mit Sozial- und Ruheräumen für LKW-Fahrer fertigstellt. Weiterhin investiert die Geschäftsführung dort in eine Energieversorgungszentrale. Damit will man unabhängiger von Stromunterbrechungen werden.

Bei der PET-Verpackungen GmbH Deutschland in Großbreitenbach wird derzeit eine Kunststoffrecyclinganlage geplant, mit Ziel den Recyclinganteil von derzeit knapp 30 Prozent auf über 50 Prozent zu steigern.

Oliver Wiegand betont, dass all diese Investitionen zusätzlich zu den Wannenbauten und anfallenden Reparaturen durchgeführt werden.

Was die genaue Investitionssumme betrifft, so hält sich der Geschäftsführer bedeckt. Der Jahresumsatz der Gruppe beträgt rund eine halbe Milliarde Euro pro Jahr.

Acht Millionen Flaschen werden täglich in den Glaswerken der Wiegand-Glas-Unternehmensgruppe in Steinbach, Großbreitenbach, Schleusingen und Ernstthal produziert. Hinzu kommen täglich mehr als sieben Millionen PET-Preforms und bis zu einer Million PET-Behälter aus der PET-Verpackungen GmbH Deutschland. Der Transport der Behälter erfolgt derzeit ausschließlich über die Straße. Rund 300 LKWs, vollbeladen nur mit Glas- und Kunststoffprodukten, verlassen täglich die Produktionsstandorte. Ein Transport über die Schiene ist wegen mangelndem Bahnanschluss derzeit nicht möglich.

Absatzprobleme hat das Unternehmen momentan keine. Im Gegenteil: „Der Sommer ist der beste Verkäufer“, freut sich Oliver Wiegand.

Seit dem Jahre 1996  führt Oliver Wiegand zusammen mit Nikolaus Wiegand das Unternehmen. Er spricht von einem Wandel, den er seitdem erlebt hat. Damit meint er den Trend weg von Glas hin zu Kunststoffflaschen bei Wasser und Softdrinks, die Veränderung der Branche, die Entwicklung der Fertigungsprozesse, das Auslandsinvestments bei Nampak Wiegand Glass in Südafrika. Und auch die Veränderung, was die Fachkräfte betrifft. Mittlerweile hat - wie bei vielen anderen Unternehmen auch - bei Wiegand-Glas der Kampf um die Fachkräfte begonnen. Derzeit sind rund 2.000 Mitarbeiter in der Wiegand-Glas Unternehmensgruppe beschäftigt, darunter 570 in Steinbach.

Wiegand-Glas ist somit auch für die Gemeinde Steinbach am Wald nicht nur der wichtigste Arbeitgeber, sondern auch der wichtigste Steuerzahler. Hinzu kommen noch die „indirekten Arbeitsplätze“, beispielsweise im Handwerk und in der Gastronomie.


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